Alopecia totalis – Kreisrunder Haarausfall, der den kompletten Kopf befällt und kein Haar verschont lässt – so ergeht es vielen Menschen, die an Alopecia totalis erkranken. Im Durchschnitt verliert ein Betroffener pro Tag um die 80 Haare, was innerhalb weniger Wochen den kompletten Haarverlust bedeuten kann.

Der Verlauf der Erkrankung endet schließlich mit einer kompletten Glatze. Doch nicht nur das Kopfhaar ist betroffen. Bei männlichen Betroffen fällt zudem auf, dass der Bartwuchs stoppt. Komplette Bereiche des Bartes bleiben einfach aus, wachsen nicht mehr nach oder weisen nur noch vereinzelte Haare auf.

Der kreisrunde Haarausfall beginnt in den meisten Fällen ganz harmlos und fällt daher mitunter erst bei genauerem Hinsehen auf. Kleine, etwa münzgroße kahle Stellen bilden sich an verschiedenen Bereichen der Kopfhaut. Nicht immer kommt es zu einem Totalausfall der Haare. In einigen Fällen ist sogar eine Spontanheilung möglich, bei der die Haare wieder nachwachsen.

Der Fachbegriff für diesen Haarverlust ist Alopecia areata. Die genauen Ursachen für diesen Haarverlust sind noch nicht vollständig erforscht. Allerdings kann die Alopecia areata schnell in den Totalverlust der Haare, die Alopecia totalis, übergehen. Abhängig von der Ursache können die gesamten Haare mehr oder weniger schnell ausfallen.

Wodurch wird die Erkrankung ausgelöst?

Weitgehend wird die komplette Alopecia als eine Hauterkrankung eingestuft, die mit der Fehlfunktion des Immunsystems einhergeht. Die Kopfhaut wird stark belastet und gereizt.

Da ein Prozess des Immunsystems im Körper gestört ist, der Fremdkörper erkennen und abstoßen soll, entstehen die typischen Symptome der Erkrankung.

Die Haarwurzel wird als solch Fremdkörper erkannt und durch das Immunsystem abgestoßen. Immer heftigere Reaktionen, die von kleinen Stellen am Kopf ausgehen, bis hin zu dem Abstoßen aller Haarwurzeln, werden ausgelöst.

Das Abstoßen durch das eigene Immunsystem hat Folgen. So entzünden sich die winzigen Wurzeln der Haare.

Anschließendes Absterben der Haare ist die Folge. Doch auch die Neubildung der Follikel wird durch die Alopecia unterbunden. Meist gehen mit der Fehlfunktion des Immunsystems weitere Erkrankungen oder Ereignisse einher.

So sind viele Betroffene bereits vor Auftreten des totalen Haarausfalls Asthmatiker, Allergiker oder Neurodermitis Erkrankte.

Diese Vorbelastungen machen das Ausbrechen der Immunerkrankung deutlich wahrscheinlicher.

Jedoch ergeben wissenschaftliche Untersuchungen ebenso, dass nicht nur die Immunerkrankung Schuld an dem kompletten Verlust des Haupthaares ist. Psychischer Stress, sowie genetische Vorbelastungen können den Ausbruch der Krankheit hervorrufen.

Es ergeben sich immer mehr Anhaltspunkte, die für einen genetisch bedingten Ausbruch der Erkrankung sprechen. So gibt es bei 20 % der Patienten mindestens eine andere Person in der Familie, die ebenso von der totalen Alopecia betroffen ist. Somit kann die Krankheit bereits als vererbbar bezeichnet werden.

Wichtig: Durch chemische Substanzen wie Färbemittel, scharfe Shampoos oder andere Haarpflegeprodukte können die Symptome dieser Form der Alopecia verstärkt werden.

Schnelles Reagieren durch Erkennen der Anzeichen

Grundsätzlich lässt sich die Alopecia in zwei Verlaufsformen unterscheiden. Eine schnell verlaufende, radikale Form geht mit kaum Anzeichen einher. Innerhalb weniger Wochen kommt es zum totalen Haarausfall, der unaufhaltsam waltet.

In einer etwas abgemilderten Form jedoch kommt es zunächst zum Ausfall weniger Haare, die vereinzelt und später in kleinen Kreisen auftreten. Durch das Erkennen von kreisrundem Haarausfall kann auf eine totale Alopecia geschlossen werden.

Um eine Alopecia totalis von einer Alopecia universalis zu unterscheiden, sollten neben den Kopfhaaren auch andere Bereiche beobachtet werden. Kommt es beispielsweise zum Ausfall von Augenbrauen oder Schamhaaren kann mit einer universellen Form des Haarausfalls gerechnet werden.

In diesem Fall ist schnelles Handeln vonnöten, denn ein Ausfall von Ohr- und Nasenhaaren kann drastische Folgen für die Gesundheit haben.  So verlieren die Ohren und die Nase ihr Schutzschild vor Fremdkörpern wie Staub, Schmutz und Insekten.

Wissenswert: Die totale Alopecia kann nicht vorhergesehen oder gar verhindert werden. Vorbeugende Maßnahmen, da Familienmitglieder bereits betroffen sind, lassen sich nicht treffen. Neben den Haaren und der Kopfhaut sind auch die Finger- und Fußnägel verändert. Knorrige, spröde und deformierte Nägel sind ein deutliches Zeichen für das Entstehen oder das Ausbreiten der Alopecia totalis.

Der Verlauf der Krankheit im Überblick

Bei der kompletten Alopecia handelt es sich um eine sehr variable Erkrankung. Ein genereller Verlauf der Erkrankung, sowie ein zu pauschalisierender Heilungsprozess sind nicht gegeben. Zeiträume und Intensität schwanken stark.

Der Verlauf der Erkrankung beginnt zunächst schleichend. An einer oder mehreren Körperstellen fallen zunächst wenige Haare aus, die schon bald einen Durchmesser von 1 bis 2 Zentimetern einnehmen können. Das Krankheitsbild zeichnet sich grundlegend durch sein kreisrundes Auftreten aus. Eine Ausweitung der kahlen Durchmesser geht mit dem Entstehen neuer Stellen des Haarverlustes einher.

An den kahlen stellen selbst, die sich über den gesamten Kopf ausbreiten, wachsen immer wieder neue Haare. Durch die Krankheit selbst werden die Haare nicht betroffen.

Lediglich die Haarwurzeln werden immer wieder abgestoßen, was eine Neubildung nicht verhindert. Jedoch ist die Haarqualität, der neu entstehenden Haare, deutlich gemindert. Zu Beginn der Erkrankung entstehen sogenannt „Ausrufezeichen-Haare“. Charakteristisch für diese neugebildeten Haare ist das dickere Ende, welches zur Kopfhaut hin in eine dünne Form mündet.

Bedingt durch diese unstabile Form brechen die Haare unter ihrer Eigenlast schnell ab. Entzündungen der Kopfhaut sind die Folge. Diese Entzündungen sind Grund für das Ausbleiben des Haarwachstums.

Folgen von Alopecia totalis

Die Folgen der Alopecia total stellen zum Teil einen wahren Teufelskreis dar. Bedingt durch psychischen Stress kann das verstärkte Eintreten der Symptome hervorgerufen werden.

Der Haarverlust selbst führt bei den Betroffenen meist zu Unsicherheiten. Ängsten und weiterem psychischem Stress. In diesem Kreislauf aus psychischer Last und dem Ausbreiten des Haarausfalls, kann meist nur eine schnelle Behandlung Hilfe verschaffen.

Im Zeitraum des Haarausfalls selbst, leiden die meisten Betroffenen unter einer juckenden Kopfhaut. Durch die dauerhaften Entzündungen der Haarfollikel, ist die Kopfhaut stark gereizt.

Juckreiz verleitet zum Kratzen. Dabei können nicht nur die noch vorhandenen Haare ausgerissen werden, sondern auch schwerwiegende Infektionen auf der Kopfhaut entstehen. Diese Infektionen können schlimmstenfalls zu Eiterbildung führen und das Fortschreiten des Haarausfalls beschleunigen. Zusätzlich zu den kahlen Stellen kann es zu Narbenbildung auf der Kopfhaut kommen. Infolge von Infektionen können Pusteln und Bläschen entstehen, die mit Krustenbildung abheilen.

Bei einem Ausbreiten der Alopecia totalis zu einer Alopecia universalis können Wimpern, Nasen- und Ohrhaare ausfallen. Dies hat zur Folge, dass betroffene Parteien nicht mehr vor Fremdkörpern geschützt sind.

Die Alopecia universalis betrifft nicht nur Kopfhaare, Augenbrauen, Wimpern und Barthaare. Sie kann sich auf den gesamten Körper ausbreiten und zum Ausfallen der Körper- und Schamhaare führen.
In vielen Fällen verstärkt sich der psychische Leidensdruck für die Patienten, da die Alopezie ein schwerwiegendes kosmetisches Problem darstellt. Eine soziale Isolation aufgrund der zunehmenden Unsicherheit kann die Folge sein.

Unterschied bei Mann und Frau

Zwar sind die meisten Betroffenen der Erkrankung Männer und Kinder, doch auch Frauen können von der Alopecia betroffen sein. Ein Unterschied im Verlauf der Erkrankung ist zwischen Mann und Frau nicht festzustellen. Meist fällt es Frauen jedoch deutlich schwerer mit der Erkrankung umzugehen, da die Haare ein Zeichen der Weiblichkeit darstellen.

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen bilden sich im Anfangsstadium kreisrunde Areale auf der Kopfhaut. Die vollkommene Kahlköpfigkeit tritt bei Männern und Frauen mit Alopecia totalis auf. Möglicherweise können hormonelle Umstellungen bei Frauen, beispielsweise nach einer Schwangerschaft oder nach den Wechseljahren, das Problem des Haarausfalls verstärken. Es handelt sich dann aber nicht um einen kreisrunden, sondern um einen erblich bedingten Haarausfall. Zusätzlich zu den kahlen, kreisförmigen Stellen fallen die Haare verstärkt um den Mittelscheitel aus.

Bei Männern mit Alopecia totalis ist im weiteren Verlauf der Bart betroffen. Zunächst treten kleine kahle Stellen am Bart auf, während es später zu einem Totalverlust der Barthaare kommt. Der Verlust der Körperhaare macht sich bei Männern stärker als bei Frauen bemerkbar, da die Körperbehaarung der Männer stärker ist. An Armen, Beinen, Brust, Bauch und Rücken fallen die Haare aus, wenn eine Alopecia universalis eintritt. Auch die Achsel- und Schamhaare sind betroffen und fallen nach und nach aus. Bei Männern und Frauen kann die totale Haarlosigkeit eintreten.

Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten

Die Behandlung der totalen Form der Alopecia hängt stark von den Ursachen ab, welche Auslöser der Krankheit sind.

Zur Bekämpfung des Haarausfalls sind einige Möglichkeiten vorhanden. Eine Behandlung mit einer Moxidil-Lösung kann bevorzugt bei erblich bedingtem Haarausfall gute Resultate erzielen. Die Behandlung schafft den Wiederaufbau der Haare, die verstärkt zurückkehren.

Ebenso kann die Kopfhaut mit UV-Strahlen behandelt werden. Größten Erfolg kann mit einer Immuntherapie erreicht werden. Das Diphenylcyclopropenon, welches bei dieser Methode verstärkt zum Einsatz kommt, regt die Neubildung der Haare an. Zudem verhindert es die Fehlreaktionen des Immunsystems, die das Abstoßen der Haarwurzeln zur Folge haben.

Auf natürlicher Basis werden Methoden der asiatischen Medizin zu Rate gezogen. Mittels Akupunktur und Kräuterheilkunde sollen stressbedingte Fehlfunktionen des Körpers unterbunden werden. Dies bekräftigt das Haarwachstum und trotz der Alopecia total wachsen die Haare wieder.

Wenn eindeutig psychische Belange für die Alopecia verantwortlich gemacht werden, ist Ansatz der Therapie die Seele. Hierbei wird versucht, den seelischen Problemen auf den Grund zu gehen, um eine Entlastung zu erreichen. Diese kann das erneute Wachstum der Haare mit sich bringen. Handelt es sich tatsächlich um psychische Ursachen, ist es meist schwer, die totale Form der Alopecia schnell zu heilen. Wie zuvor beschrieben tritt meist ein Teufelskreis ein, der den Betroffenen den Heilungsprozess erschwert.

Ist der Haarausfall vollkommen heilbar?

Eine pauschale Aussage ist nicht zu treffen. Der Erfolg der Heilung hängt stark mit den Ursachen, sowie der psychischen Verfassung des Betroffenen zusammen. In einigen Fällen kann das Haarwachstum wieder regeneriert und vollständig ausgebildet werden. In manchen Fällen bleiben alle Therapieversuche erfolgreich, was jedoch meist mit der psychischen Verfassung des Betrogen zusammenhängt.

Meist wachsen die Haare in einer helleren Farbe. Viele Betroffene, deren Therapie angeschlagen hat, sprechen von komplett weißen Haaren. Die Neubildung der Farbpigmente in den Haaren kann zum Teil sehr lange Zeit in Anspruch nehmen, bei manchen Betroffenen auch komplett ausbleiben.

Ärzte raten, dass nach einer erfolglosen dreimonatigen Therapie, ein Abbruch erfolgen sollte. Das Immunsystem wird durch die Behandlung sehr stark belastet. Sollten jedoch Erfolge innerhalb der ersten drei Monate sichtbar sein, kann die Therapie auf einen Zeitraum von insgesamt sechs Monaten ausgedehnt werden.

Eine Haartransplantation ist jedoch ausgeschlossen, da die Follikel der transplantierten Haare durch die Alopecia abgestoßen werden würden.

Wie viele Menschen sind betroffen?

In Deutschland kann von circa 1,5 Millionen Menschen gesprochen werden, die unter der totalen Alopecia leiden. Unter den Betroffenen lassen sich Männer, Frauen und selbst Kinder finden. Eine Tendenz der Betroffenen geht deutlich in die Richtung von jungen Männern unter 30 Jahren sowie Kindern. Besonders in sehr jungen Altersgruppen, zwischen dem dritten und vierzehnten Lebensjahr, ist ein Kind gefährdet an der gänzlichen Alopecia zu erkranken.

Es gibt kein zentrales Register, in dem die Menschen mit Alopecia totalis erfasst werden. Daher variieren die Zahlen. Die Alopecia totalis gehört jedoch zu den eher seltenen Formen des Haarausfalls. Schätzungen zufolge sind 0,1 bis 0,2 Prozent der Bevölkerung betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, im Verlauf des Lebens an Alopecia totalis zu leiden, liegt ungefähr bei 1,7 Prozent.

Grundsätzlich können Menschen aller Altersgruppen betroffen sein, doch bei Senioren ist dieser Haarverlust eher selten. Da nicht alle Betroffenen einen Arzt konsultieren und das Problem für gegeben hinnehmen, gibt es auch eine ziemlich hohe Dunkelziffer. Aus Scham gehen viele Betroffene nicht zum Arzt und kaschieren ihr Problem mit einer Perücke oder einer Mütze.

Hilfe durch Selbsthilfegruppen

Im Internet entstehen immer mehr Foren und Selbsthilfegruppen, in denen sich Betroffene austauschen können. Plattformen wie www.alopezie.de verschaffen jedem Betroffenen Gehör. Das Konzept ist schlicht und dennoch effektiv. Erfahrungen können ausgetauscht werden, neue Kontakte geknüpft und neue Kraft geschöpft werden.

Auf einigen Internetseiten wird die Kontaktaufnahme zu Experten vereinfacht. Sorgen und Fragen können per Mail ausgedrückt werden. In größeren Städten finden regelmäßige Treffen statt, an denen Betroffene, Angehörige oder bereits geheilte Menschen teilnehmen und sich austauschen.

Die Krankheit wird somit ein Stück zugänglicher gemacht, da sich viele Betroffene schämen oder an ihrem Äußeren zu zweifeln beginnen. Die Teilnahme an Selbsthilfegruppen bewirkt, dass Betroffene den Umgang mit dem sozialen Umfeld üben können.

So wird das Selbstbewusstsein, trotz des Haarausfalls, gestärkt. Wer an dieser Form der Alopecia erkrankt ist, ist sicherlich nicht alleine!

Fazit

Die Alopecia totalis, der totale Haarausfall, ist eine Folge eines weit fortgeschrittenen kreisrunden Haarausfalls (Alopecia areata). Ein kreisrunder Haarausfall kann Menschen aller Altersklassen, auch Kinder, betreffen. Zuerst bilden sich kleine, kreisrunde kahle Stellen an verschiedenen Bereichen der Kopfhaut. Mitunter werden diese kleinen Stellen übersehen.

In diesem Stadium sind die Heilungsaussichten am besten. Sogar eine Spontanheilung, bei der die Haare plötzlich wieder nachwachsen, ist in einigen Fällen möglich. Zumeist wird der Haarverlust durch entzündliche Erkrankungen verursacht. Der Hautarzt kann die Ursache feststellen und die Behandlung vornehmen. Das ist in einem frühen Stadium wichtig, damit sich das Problem nicht ausbreitet und die Haare nicht komplett ausfallen.

Bei einer Alopecia totalis fallen die Kopfhaare mehr oder weniger schnell aus. Aussicht, dass die Haare wieder nachwachsen, besteht so gut wie nicht. Im weiteren Verlauf fallen auch Augenbrauen, Wimpern und bei Männern die Barthaare aus. Der totale Haarausfall kann sich auf den gesamten Körper ausbreiten und zum Ausfall der Körper- und Schamhaare führen.

Die Betroffenen stehen häufig unter starkem psychischen Druck, da sie sich nicht mehr attraktiv fühlen. Es kommt oft zur sozialen Isolation. Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es im Erscheinungsbild der Erkrankung nicht. Etwa 0,1 bis 0,2 Prozent der Bevölkerung sind von diesem Haarausfall betroffen.

Wissenschaftliches & Studien

[1] – Instituts für Humangenetik (2018) – https://www.humangenetics.uni-bonn.de/de/forschung/forschungsprojekte/haarlosigkeit-ausfall/kreisrunder-haarausfall

[2] – Klinische Studie Alopecia Areata, (2018) – https://kreisrunderhaarausfall.de/klinische-studie-alopecia-areata/