Leiden Sie unter Haarausfall, haben Sie vermutlich schon verschiedene Haarpflegemittel und Nahrungsergänzungsmittel ausprobiert. Minoxidil und Finasterid sind Haarwuchsmittel, die jedoch starke Nebenwirkungen haben können. Verschiedene Medikamente wie Blutdrucksenker haben den Nebeneffekt, dass sie auch gegen Haarausfall wirken können. Ein solches Medikament ist auch Spironolacton. Wie wirkt eigentlich Spironolacton bei Haarausfall?

Was kann Spironolacton bei Haarausfall?

Minoxidil ist ein Haarwuchsmittel, das auf die Kopfhaut aufgetragen wird, um die Durchblutung der Kopfhaut zu verbessern und die Haarfollikel besser mit Nährstoffen zu versorgen. Es wird bei erblich bedingtem Haarausfall genutzt. Ursprünglich wurde dieses Medikament als Blutdrucksenker angewendet.

Die Wirkung gegen Haarverlust wurde nur zufällig entdeckt. Aufgrund der starken Nebenwirkungen wird Minoxidil heute nur noch als Blutdrucksenker angewendet, wenn andere Mittel nicht helfen. Ähnlich sieht es mit Spironolacton bei Haarverlust aus. Auch hier wurde die Wirkung zufällig entdeckt.

Spironolacton wird als Medikament unter der Bezeichnung Aldactone zur Behandlung von Bluthochdruck verwendet. Gleichzeitig wird es als kaliumsparendes Diuretikum zur Entwässerung bei Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) genutzt.

Spironolacton führt zu einer verstärkten Harnausscheidung. Da es zu den kaliumsparenden Diuretika gehört, wird anders als bei anderen Diuretika nur wenig Kalium über den Urin ausgeschieden. Die verstärkte Urinausscheidung führt zu einer Senkung des Blutdrucks.

Spironolacton unterstützt die Nieren bei der Reinigung des Blutes von Abbauprodukten und Schadstoffen. Die Nierenkörperchen halten bei der Reinigung des Blutes Blutkörperchen und Proteine zurück. Dabei entsteht Primärharn, in dem noch Salze und Zucker enthalten sind.

Dieser Primärharn gelangt durch die Nierenkanälchen. Das, was der Körper noch gebrauchen kann, wird wieder zurück ins Blut geführt. Spironolacton wird bei Wassereinlagerungen im Gewebe und bei einem erhöhten Aldosteronspiegel verordnet. Spironolacton verhindert die Bindung von Aldosteron an den Andockstellen der Zellen in den Nierenkanälchen. Spironolacton ist ein Aldosteron-Antagonist.

Es führt dazu, dass weniger Wasser und Natrium aus dem Primärharn wieder ins Blut gelangen. Die Wirkung von Spironolacton bei Haarverlust ist ein Nebeneffekt.

Wie kann Haarausfall durch Spironolacton bekämpft werden?

Die häufigste Form von Haarausfall ist die androgenetische Alopezie, der erblich bedingte Haarausfall. Er tritt bei ungefähr 80 Prozent der Männer auf und macht sich mit einer Tonsur am Oberkopf, Geheimratsecken und Stirnglatze bemerkbar.

Er kann auch bei Frauen auftreten, doch zeigt er sich mit immer lichter werdenden Haaren um den Mittelscheitel. Die Ursache von erblich bedingtem Haarverlust ist eine erhöhte Produktion des Hormons Dihydrotestosteron (DHT) oder eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegen DHT.

Dihydrotestosteron ist ein Abbauprodukt des männlichen Sexualhormons Testosteron. Dihydrotestosteron lagert sich an den Haarfollikeln an und schädigt sie. Die Haarfollikel bringen immer dünnere Haare hervor, bis sie schließlich absterben und gar keine Haare mehr ausbilden.

Testosteron wird auch bei Frauen gebildet. Es bildet sich in den Nebennieren und in den Eierstöcken. Hier kommt Spironolacton bei Haarausfall ins Spiel. Es wirkt auf zweierlei Weise:

  • Spironolacton bei Haarverlust verlangsamt die Bildung von Testosteron. Das führt dazu, dass weniger Dihydrotestosteron als Abbauprodukt gebildet wird, das sich an den Haarfollikeln anlagert.
  • Spironolacton verhindert die Bindung von Dihydrotestosteron an den Androgenrezeptoren. DHT lagert sich dadurch weniger an den Haarwurzeln an.

Erblich bedingter Haarverlust kann durch Spironolacton gestoppt oder verzögert werden.

Warum Spironolacton nur bei Frauen wirkt

Spironolacton bei Haarausfall könnte Hoffnung für Männer bringen, die unter einer androgenetischen Alopezie leiden. Dem ist aber nicht so, denn Studien haben ergeben, dass Spironolacton bei Haarverlust nur bei Frauen wirkt. Spironolacton wird bei Frauen, die bereits die Pubertät hinter sich haben, auch verwendet, um eine starke Akne zu behandeln.

Eine Studie von 2015 mit Frauen, die unter androgenetischer Alopezie litten, ergab, dass 75 Prozent der Studienteilnehmerinnen von einer Besserung profitierten. Der Haarausfall konnte gestoppt oder verzögert werden. Noch nicht lange vorhandene kahle Stellen verschwanden wieder, da die noch intakten Haarfollikel wieder zur Bildung neuer Haare angeregt wurden.

Ähnliche Ergebnisse zeigte eine Studie von 2017. Frauen, die unter erblich bedingtem Haarausfall litten, wurden mit Spironolacton in Kombination mit Minoxidil behandelt. Der Haarausfall verzögerte sich oder konnte gestoppt werden. Die Studienteilnehmerinnen berichteten auch über kräftigeres Haar und einen verstärkten Haarwuchs.

Studien wurden auch mit Männern durchgeführt. Bei Männern zeigte Spironolacton bei Haarausfall keine Erfolge. Es kann jedoch zu einer geringeren Produktion von Testosteron kommen, die sich auf die Libido auswirken kann.

Auch bei anderen Arten von Haarausfall wie

wirkt Spironolacton nicht.

Spironolacton, wenn Minoxidil nicht wirkt

Minoxidil wird als Schaum oder Tinktur auf die Kopfhaut aufgetragen. Nicht jeder verträgt es. Nebenwirkungen können als Hautreizungen wie Rötungen und juckende Kopfhaut, aber auch als Schuppen auftreten. In schweren Fällen kann es zu Kopfschmerzen kommen.

Frauen, die Minoxidil nicht vertragen, können alternativ dazu Spironolacton bei Haarverlustanwenden. Vertragen Sie Minoxidil gut, können Sie Spironolacton in Kombination mit Minoxidil anwenden. In jedem Fall sollten Sie einen Arzt konsultieren, bevor Sie Spironolacton bei Haarausfall anwenden.

Nebenwirkungen von Spironolacton

Möchten Sie Spironolacton bei Haarverlust anwenden, sollten Sie sich zuvor über die Nebenwirkungen informieren. Solche Nebenwirkungen können als

  • Müdigkeit, Schläfrigkeit, Abgeschlagenheit
  • Kopfschmerzen
  • ausbleibende oder unregelmäßige Regelblutung
  • erhöhte Harnsäurewerte und höheres Risiko für Gicht
  • Herzrhythmusstörungen
  • allergische Reaktionen von Haut und Schleimhäuten
  • Magen- und Darmbeschwerden
  • Berührungsempfindlichkeit der Brust

auftreten.

Wie Sie Spironolacton anwenden sollten

Sie sollten einen Arzt konsultieren, bevor Sie Spironolacton anwenden. Er befragt Sie zur Einnahme von Medikamenten sowie bekannten Unverträglichkeiten oder Allergien. Der Arzt entscheidet, ob Minoxidil für Sie geeignet ist. Zuerst kann er eine geringe Dosis verordnen, um festzustellen, ob Sie es vertragen. Treten keine Nebenwirkungen auf, kann er die Dosis erhöhen.

Fazit: Spironolacton wirkt nur bei Frauen mit androgenetischer Alopezie

Spironolacton ist ein Blutdrucksenker und ein kaliumsparendes Diuretikum. Es schränkt die Produktion des männlichen Sexualhormons Testosteron ein und verhindert die Anlagerung von Dihydrotestosteron an den Androgenrezeptoren. Spironolacton bei Haarausfall wirkt nur bei Frauen, die unter erblich bedingtem Haarausfall leiden.

Bei Männern wirkt Spironolacton bei Haarverlust nicht, wie Studien gezeigt haben. Es wirkt auch nicht bei kreisrundem, diffusem, vernarbendem oder mechanischem Haarverlust.